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19.01.2013: Die Hafennarren feiern den 60. Geburtstag in der Gockelwerkstatt

Vor 60 Jahren hat er sich erstmalig gezeigt: der Hafennarr („Hana“). Zusammen mit dem Seewaldkobold wurde er auf dem Bürgerball vorgestellt. Heute tummeln sich über 200 „Hanas“ durch die Straßen und vertreiben mit ihrem Gschell den lausig kalten Winter. Am Samstag haben die Narren ausgiebig ihren Geburtstag gefeiert.

Bereits am Nachmittag trafen sich die „Hana“-Familien zu Kaffee und Kuchen, um gemeinsam mit den Kindern zu feiern. „Da die Jüngsten abends noch nicht mitfeiern können, haben wir das auf den Nachmittag verlegt“, sagt Gruppenführer Severino Passeri. Die Mini-„Hanas“ führten ein Tanzstück zur „Fluch der Karibik“-Musik auf. Im Anschluss vergab „Sevi“ Passeri die Orden an langjährige Mitglieder. Höhepunkt war allerdings die Taufe des „Hana“-Nachwuchses am Abend. Vier neue Mitglieder dürfen ab sofort mit Maske springen, die Aufnahme ist mit einem festen Ritual verbunden. Der Täufer-„Hana“ hat ein eigenes Häs sowie ein altes als auch ein junges Gesicht, das im Lauf des Taufrituals wechselt. Nur zum Jubiläum wird die „Hana“-Taufe gezeigt, die sonst nicht öffentlich ist. Auch der Täufer hat Grund zu feiern, denn ihn gibt es seit 30 Jahren.

In der Gockelwerkstatt wurde es nach dem lautstarken Einzug der Ailinger Schalmeien und der tanzenden Narren plötzlich ruhig und der Saal verdunkelte sich. Auf die Bühne lief langsam ein alter Hafennarr, gestützt von einem Stock, statt Frühlingsblumen umrahmte Efeu sein Gesicht.

Das sonst so glatt geschliffene Gesicht zeigt Altersfalten, und auch das Häs hebt sich von den anderen ab. Zeigen sich die „Hanas“ als Frühlingsboten sonst in bunten und leuchtenden Farben, kleidet sich der Täufer eher dezent und in den kühleren Tönen weiß und blau. Allein stand er auf der Bühne und brach nach kurzer Zeit zusammen. Ein „Hana“ entdeckte ihn, und nach und nach kamen weiter hinzu, die den alten Täufer wieder zum Leben erweckten. Mit einem Tanz gelang die endgültige Verwandlung, und der jung gewordene Täufer betrat die Bühne. Bereit die Neumitglieder aufzunehmen. Mit einem Trunk und dem Segen des Täufers wurden sie als Maskenträger endgültig aufgenommen. Ein schaurig-schönes Ritual. Im Anschluss wurden mit Musik und Tanz sechs Jahrzehnte Hafennarren gefeiert.

(Bericht Schwäbische Zeitung)

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