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03.06.2014: Der 11.11. verschafft den Durchblick.

Die Narren haben am Dienstag pünktlich um 11.11 Uhr die fünfte Jahreszeit eingeläutet. Im Buchhorner Hof ist beim Verein zur Pflege des Volkstums der Startschuss für die Fasnet gefallen. Die Rednerin in der Gockelmiste, Gabriele Freund, Geschäftsführerin von Luftschiffbau Zeppelin GmbH, brachte die feministische Brille mit.
„Wenn Sie schon keine Frauen in den eigenen Reihen haben, dann verschonen Sie beim Kehraus wenigstens die Gockel, die dort gemetzgert werden“, schließt die Rednerin ihren Beitrag ab, der sich in diesem Jahr mit den Vorgängern an diesem erlauchten Ort, aber auch mit den fehlenden Frauen in verantwortlichen Positionen bei den Seegockeln beschäftigt. „Die Fasnet ist weiblich“, sagt Gabriele Freund und verteilt in ihrer Rede in der Gockelmiste, in der sich jedes Jahr ein anderer Promi der Stadt über das zurückliegende Jahr und die Fasnet auslässt, den ein oder anderen Seitenhieb. Die fehlenden Frauen beim Elferrat und im Vorstand des Vereins sind dabei nur ein Aspekt. Retainer-Zahlungen an der Zeppelin Universität, Festplatten im Sperrmüll und schräge Ideen mit dem Narrenbrunnen liefern ihr weitere Stichpunkte.
Nicht nur die Gockelmiste profitiert von den jüngsten Geschichten dieser Stadt. Seegockel-Präsident Ernst Weinert bringt es auf den Punkt: „Die Stadt liefert in letzter Zeit eine Steilvorlage nach der anderen für die Fasnet.“ Der neue Elferratschef Thomas Deppler hingegen lässt lieber Taten folgen. Zusammen mit seinem Vize Uwe Harting und anderen Elferräten hat er Plakatträger vorbereitet und verteilt sie an die Bürgermeister der Stadt. Anstaltshalber bekommt auch Seegockelpräsident Weinert einen solchen umgehängt. „Wenn wir schon nicht plakatieren dürfen, dann bilden wir eben eine Task-Force Plakate.“ Einstellungsvoraussetzungen seien vier Stunden Freilauf in der Stadt täglich, der Drang zum Tratschen und ein gewissen Bekanntheitsgrad. Dass für diese Besetzung die Bürgermeister der Stadt am ehesten in Frage kämen, verstehe sich schon qua Amtes.
An Stelle des erkrankten Zunftmeisters Uli Müller kommen schließlich seine beiden Vertreter Bernd Huckle und Oli Venus in den Ring. Frei nach dem Motto „Reim dich oder ich fress dich“ sorgen sie für echt närrische Unterhaltung. Auch bei ihnen findet der Narrenbrunnen einen Platz in der Rede. Um genügend Geld dafür aufzubringen, solle man sich Anregungen und Ideen beim ehemaligen ZU-Präsidenten Stephan A. Jansen holen, der wisse, wie man größere Summen akquiriere. Etwas ernster, aber mit närrischer Vorfreude versehen, schreiten sie zu einer „Bekanntmachung“. Der Verein zur Pflege des Volkstums Friedrichshafen habe sich um die Ausrichtung des Ringtreffens des Alemannischen Narrenrings (ANR) im Jahr 2019 beworben. Der ANR sei in Friedrichshafen gegründet worden, dann wolle man auch den 50. Geburtstag hier feiern.
Jedes Jahr nutzen die Narren den 11.11., um Freundschaftskappen zu vergeben. Verbunden ist diese Vergabe allerdings mit einem Ritual kulinarischen Hochgenusses. Wer eine Freundschaftskappe bekommt, muss sich ihrer zunächst würdig erweisen, indem er ein ganzes Ei und danach einen gefüllten Esslöffel Meerrettich zu sich nimmt. Das Opfer 2014 ist Polizeioberrat Jörg Frey, Leiter des Friedrichshafener Polizeireviers. Seine Vorstandskappe – allerdings mit gleichem Ritual – bekommt Seegockel-Vizepräsident Karl Haller. Und sein Vorgänger Peter Pietrucha erhält die Kappe des Ehrenpräsidenten.

Bericht Schwäbische Zeitung

Verein zur Pflege des Volkstums Friedrichshafen e.V.  ¤  Industrieweg 4  ¤  88045 Friedrichshafen