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19.02.2017: Sportliche Leistungen beim Bürgerball 2017

Die Überraschung ist gelungen. Statt traditionsschwere Rituale zu pflegen haben die Macher des Bürgerballs mit der Auflage 2017 bewiesen, dass es besser geht. Dass die Gäste sich bei herausragenden Beiträgen auch von den Stühlen erheben, um zu applaudieren. Und dass der beständige Wille, wieder eine Veranstaltung in der Saalfasnet auf die Beine zu stellen, die man gesehen haben muss, langsam zum Erfolg führt.
Der Bürgerball - jahrelang die gesellschaftliche Veranstaltung der Stadt schlechthin - hat zuletzt immer weniger Zuschauer gefunden. Bis Thomas Deppler und Uwe Harting, in diesem Jahr auf der Regiebank ergänzt durch Tino Jäger, sich anschickten, dem Ereignis wieder einen Charakter zu geben. Tino Jäger gab seinen Einstand als Regisseur im brillanten Solo hinter der Bühne.

Zum Regie - Trio gehören seit einigen Jahren als Garanten für gute Bürgerbälle auch die sich selbst immer wieder übertreffenden Moderatoren des Abends. Der Präsident des Vereins zur Pflege des Volkstums Friedrichshafen, Karl Haller, Zunftbüttel Wolfgang Ott und Zunftmeister Oliver Venus führten durch den Abend.



Karl Haller brachte Volleyball-Trainer Vital Heynen auf die Bühne. Und der hat mal als erste Überraschung seinen Einstand beim Bürgerball mit Bravour geschafft. Motto „Es lebe der Sport" – klar, dass Heynen da nicht fehlen darf.
Das Abschneiden alter Zöpfe ist der richtige Schritt, auch wenn die Programmstruktur noch sehr an die Bürgerballtradition erinnert, vier Stunden Auftrittsmarathon über die Gäste zu bringen. Eine Show eben - aber eine, die sich sehen lassen kann.



Dramaturgisch war alles auf das Motto abgestimmt. Passend sportlich, mit dem olympischen Einzug der Akteure beginnend, eröffnet vom Fanfarenzug Graf Zeppelin und in einer rekordverdächtigen Abfolge von Tanz, Musik- und Wortbeiträgen. Herausragende Tänzer waren ohne Zweifel wieder die Akteure der Gruppe Maskerade aus Neukirch unter Leitung von Anja Lührs-Hofer und Ralf Stärk. Das ist Rhythmus, Tanzkunst und Akrobatik, gefasst in eine höchst ästhetische Choreografie, die Zugaben geradezu herausfordert.



Zum Thema Zugabe begannen die La Paloma Boys die Regie herauszufordern. Die Musiker, für einige besser als La Brassbanda, standen teils schon mal als Original Ibrige auf der Bühne. Moderator Wolfgang Ott sah sich angesichts der Reaktionen des Publikums gezwungen, die Zugabe spielen zu lassen. Die Truppe um Matthias Beiter rockte das Graf-Zeppelin-Haus und wäre noch zu mehr in der Lage gewesen. Doch da schlug der Zeitplan zu.
Bleiben wir bei den Höhepunkten, nicht nur messbar am Lautstärkepegel der applaudierenden Gäste, so brachte das Programm des Bürgerballs einen weiteren neuen Star auf die Bühne. Oliver Venus, als Zunftmeister bekannt für seine erfrischend lockere Zunge und sein loses Mundwerk, dem man einfach selten widersprechen kann, war der Erste und Einzige, der das Geschehen in der Stadt thematisierte. Er kommentierte die OB-Kandidaten – hochaktuell und alle vier. Er zeigte mit dem Finger auf die Amtsstuben, die Politik, aber auch die Häfler, die Werte zwar immer hochhalten wollten, sie für sich selbst aber selten gelten ließen. Dass in diesem Reigen die Lokalpresse auch nicht leer ausgehen durfte, versteht sich von selbst. Satirisch, frech, brillant - Brecht ließ an der ein oder anderen Stelle grüßen - und durchweg, wie es sich gehört zur Fasnet. Narren dürfen das, nein müssen frech sein und nicht nur Witzchen reißen, wie das sonst so auf der Bürgerball-Bühne üblich war. In diesem Zusammenhang wurde Rainer Bentele übrigens vermisst im Programm.



Der Bürgerball ist immer auch eine Show, die von Beiträgen aus den eigenen Reihen lebt. Befreundete Gruppen werden eingeladen und setzen Akzente. Das schafften die Elferräte mit der Choreografie tanzender, seidig-erotischer Football-Profis unter der Leitung von Vera Metzler und das anmutende Männerballett der Buchhorn-Hexen unter Leitung von Ingrid und Rudi Krafcsik und Tina Hermann. Bewährte Größen auf der Bühne waren wieder Hausmeister Wolfgang Ott, das Gesangstrio „Puschaps“ mit Martina Hasenmüller, Sabine Hauke und Angelika Fischer oder die beiden Tanzgruppen „Freak Out“ unter Leitung von Birgit Maier und Markus Daviet und „Paradice“ unter der Leitung von Svetlana Koop. Und dann war da noch Xaver Scheifele, dessen Ausdruckskunst nicht nur bei Gästen mit innerdeutschem Migrationshintergrund schwer verständlich war, sondern auch bei waschechten Schwaben bisweilen Stirnrunzeln hinterließ.




Es war wieder ein gelungener Abend, der in einigen Programmpunkten die Ambivalenz dieser Show zeigte. So muss es sein, aber auch: So darf es nicht weitergehen. Überlasst den Bürgerball den Moderatoren, den La Paloma Boys, der Maskerade und Textkünstlern wie Oliver Venus. Lasst Zugaben zu, wenn das Publikum sie haben will, und diese Bälle durchbrechen die nur noch dünne Schale vor ihrer Wiedergeburt als Fasnet-Ball, den sich niemand mehr entgehen lassen will.

 

Bericht: Ralf Schäfer / Bilder: Wolfgang Boller


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