Fasnetsbräuche im oberschwäbischen Raum

Fasnacht, Fasnet, Fasching, Karneval

Diese vier Bezeichnungen führen auch bei uns im Bodenseeraum zu ständigen Begriffsverwirrungen. Innerdeutsche Wanderbewegungen der Bevölkerung, herbeigeführt durch Kriege und moderne Flexibilität für den Arbeitsplatz, haben die deutschen Stämme in diesem Jahrhundert tüchtig durcheinander gebracht. Was dem Bayer sein Fasching, ist dem Rheinländer sein Karneval. Der Alemanne und Oberschwabe aber liebt seine Fasnet. Der Begriff Fasnacht ist im schwäbisch- alemannischen Raum entstanden. Im 19. Jahrhundert schrieb man Fastnacht. Mundartlich abgeschliffen ist daraus Fasnet geworden. Allerdings ist es in unserer Region verpönt , die „ Fünfte Jahreszeit „ zwischen Dreikönigstag und Aschermittwoch anders als mit Fasnacht oder Fasnet zu bezeichnen.

Geschichte

Für eine lange Fasnachtstradition in Friedrichshafen bzw. Buchorn gibt es genügend Belege im Stadtarchiv der Stadt. Sie beginnen 1569 mit dem Kloster Hofen, berichten von 1633 als die Stadt „Fastnachtstrünke“ an die Zünfte ausschenkte, und im Jahr 1665 über Fastnachtsküchlein für das Kloster Löwental. Bereits im Jahr 1852 gab es in Friedrichshafen mehrere Fastnachtsgesellschaften. Der erste Narrenverein wurde 1861 in Fischbach, damals noch selbständige Gemeinde, gegründet.1939 kurz vor Ausbruch des Krieges wurde letztmals Fasnacht gefeiert. Ab 1948 pflegte der Narrenverein Friedrichshafen auch in seiner Stadt erfolgreich schwäbisch – alemannisches Brauchtum und schuf dazu passende Masken und Kostüme.

Fasnachtsbräuche

Die „Hohen Tage“ der schwäbisch- alemannischen Fasnet beginnen in unserer Gegend am „Gumpigen Donnerstag“ oder wie unsere badischen Nachbarn sagen am“Schmotzigen Dunschtig“. Der schwäbische Narr bringt mit diesem Tag, vorallem sich selbst, seinen Zustand und sein Tun in Verbindung .Sein fasnächtlicher Zustand ist unruhig, er hüpft an diesem Tag des Fasnetsanfangs besonders viel. Damit bedeutet der „Gumpige“ soviel wie ausgelassen, springen oder einfach, gumpa. Traditionell werden an diesem Tag die kostümierten Kinder aus Kindergärten und Schule befreit, das Rathaus gestürmt, der OB, der Bürgermeister oder der Ortsvorsteher seines Amtes enthoben und der Rathausschlüssel als Symbol der Machtübernahmen an die Narren übergeben. Das Narrenbaumsetzen  findet traditionell ebenfalls am Donnerstag statt. Mit einem kleinen Umzug wird der Narrenbaum zum zentralen Platz- meist am Rathaus- gebracht und dort unter großem Hallo aufgestellt. Vielerorts gibt es dann am Abend dieses Tages noch Hemdglonkerumzüge. Die Teilnehmer tragen weiße Nachthemden und Zipfelmützen oder Schlafhauben. Diese Weißvermummung, deren alten beschützenden Sinn kaum ein Narr kennt, wird am gumpigen Donnerstag durch die Nacht getragen; die Narren fühlen sich auch bei ihren abendlichen Bällen in der Gestalt des Hemdglonkers wohl.

Der bromige Freitag

Der Fasnets- Freitag wird im Oberland noch der „rußige“ und im Bodenseeraum der „bromige Freitag“ genannt. Bromig bedeutet nach Fischers Schwäbischem Wörterbuch von 1904 rußig, mit Ruß geschwärzt. Also ist rußig und bromig dasselbe. An diesem Tag versuchen die Buben, besonders in Oberschwaben, die Gesichter der Mädchen mit Ruß zu beschmieren.

Fasnetssamstag

In manchen Orten werden Fasnachtsküchle hauptsächlich am Samstag gebacken. In Friedrichshafen ist dies, neben dem Donnerstag der Haupttag der Straßenfasnacht. An diesem Tag findet hier der weit und breit größte Narrensprung mit über 5000 Mitwirkenden statt. Abends gibt es in Friedrichshafen neben dem Maskenball diverse Bälle auch bei den Narrenzünften in den Vororten.

Fasnetssonntag 

An diesem Tag findet in den meisten Orten des Umlandes die traditionellen Fasnets Umzüge statt.

Fasnetsmontag

Der Montag wird, durch den Karneval beeinflußt, Rosenmontag genannt, hat aber nichts mit Rosen zu tun, sondern sein Name war ursprünglich rasender Montag. In unserer Gegend ist dies der Tag der Weiberbälle.

Fasnetsdienstag

Der letzte närrische Tag, ist hauptsächlich ein Tag der Kinderfasnet, eine letzte Gelegenheit kostümiert auf der Straße herumzutollen. Am Abend ist Kehraus, da gilt es Abschied von der Narretei zu nehmen. Die Bräuche hierzu sind ganz verschieden. In einem Ort wird die Fasnet verbrannt, im anderen beerdigt,in Friedrichshafen wird sie mit dem Gockelmetzgen um 24.00 Uhr beendet, bevor am Aschermittwoch das „normale“ Leben wieder anfängt.

Ernst Haller

Alles über die Geschichte der Fasnacht in Friedrichshafen erfahren Sie aus dem Buch FASNACHTSZEITEN. Herausgegeben vom  Verein zur Pflege des Volkstums Friedrichshafen e.V. In unterhaltsamer Form schildert das reich illustrierte Buch die Entwicklung des fasnachtlichen Brauchtums in Buchhorn und Friedrichshafen von seinen belegbaren Anfängen (1569) bis zur Gegenwart.
Verein zur Pflege des Volkstums Friedrichshafen e.V.  ¤  Industrieweg 4  ¤  88045 Friedrichshafen